„Grüne Kuh und Ziegenbock“ lautet der Titel der aktuellen Ausstellung in der „Sammlung Hans Bäumler“ in Hohenems, Vorarlberg. Gezeigt werden in einem „Großen Tier-ABC“, also alphabetisch geordnet, 75 Werke von 46 Künstlerinnen und Künstlern aus der Zeit von 1900 bis 1930. Der Bogen reicht dabei von der berühmten Grafik „Grüne Kuh“ von Franz Marc über den „Rauchenden Ziegenbock“ von Ludwig Heinrich Jungnickel bis zu dem Gemälde „Puppengesellschaft mit gelbem Hund“ von Rudolf Wacker.
Ausstellungskurator Tobias G. Natter, der mit viel Feingefühl, aber auch mit hintergründigem Humor diese Schau zusammengestellt hat, meint dazu: „Die grüne Kuh steht für einen grundlegenden Wandel des Sehens. Sie markiert den Aufbruch einer Generation von Künstlerinnen und Künstlern, die um 1900 nach neuen Ausdrucksformen sucht und die Welt nicht nur darstellen, sondern neu erfassen will“.
Ein großes Verdienst der Schau ist es unter anderem, dass hier Werke einer Reihe von wieder zu entdeckenden Künstlerinnen vertreten sind, die bisher in Darstellungen zur Kunst um 1900 meist zu wenig Beachtung fanden. Hier sind vor allem Nora Exner, die etwas geheimnisumwitterte Adalberta Kiessewetter, Ditha Mautner-Markhof (Moser), Maria Pranke, Maria von Uchatius und Fanny Zakucka-Harlfinger zu nennen. Gerade diese Generation von jungen Frauen hatte regen Anteil an einem „Animal Turn“ der speziellen Art. Sie wandten sich ab von der oft mythologischen und mystisch aufgeladenen Darstellungsweise der Tierwelt ihrer älteren, männlichen Kollegen und kreierten eine neue, unpathetische und sachliche, bisweilen auch humorvolle Sicht auf dieses Themenfeld.
Zu nennen ist da etwa Nora Exner, die eine große Sympathie zu Hunden hegte, was in ihrer Grafik „Hund auf Treppe“ aus dem Jahr 1903 besonders deutlich zu spüren ist. Die vielseitige Maria von Uchatius hielt selbst Tiere in ihrem Haus in der Nähe von Innsbruck und hatte so ihre Modelle nahe bei sich, künstlerisch aber bändigte sie auch eine Raubkatze wie den Panther zu einem harmlosen Ornament. Und Adalberta Kiessewetter unterzog in ihrer Serie zum Tiergarten in Schönbrunn vor allem die Menschen einer ironischen Sicht und ließ den bestaunten und begafften Tieren ihre natürliche Würde.
Eine kunsthistorische Sensation bietet die Ausstellung mit dem 1924 entstandenen und noch nie öffentlich gezeigten Gemälde des bedeutenden Vertreters der „Neuen Sachlichkeit“ Rudolf Wacker. Tobias G. Natter schreibt dazu in dem lesenswerten Begleitbuch zur Ausstellung: „Als wiederentdecktes Schlüsselwerk verdichtet die ‚Puppengesellschaft mit gelbem Hund‘ zentrale Themenfelder seines Schaffens: das Spannungsverhältnis von Lebendigem und Artefakt, die Ambivalenz von Nähe und Entfremdung und die Fragilität einer Ordnung, die aus dem Gleichgewicht gerät.“
„Grüne Kuh und Ziegenbock. Das große Tier-ABC“. Die Ausstellung ist bis 6. Januar 2027 in Hohenems, in der Sammlung Hans Bäumler, zu sehen und übersiedelt dann im Februar 2027 in das „Museum für Angewandte Kunst – MAK“ in Wien.
29.9.2026







