THE BIG APPLE

Ob dies- oder jenseits des Atlantiks: „The Big Apple“ war in den späten 1930er Jahren häufig Thema in Zeitungen und Magazinen. Allerdings ging es dabei weder um New York noch um Obst – sondern um einen Tanz, um den Modetanz jener Zeit, der zunächst in den USA und dann auch bald in Europa überaus populär war.

Aus Zeitungen der Jahre 1937/1938
Aus Zeitungen der Jahre 1937/1938

Übrigens: „The Big Apple“ als die Bezeichnung für New York gab es damals zwar auch schon, sie wurde aber nur sehr selten verwendet und erst ab den 1970er Jahren durch entsprechende Slogans der New Yorker Tourismuscompany weltweit bekannt.

Der Tanz, der als „The Big Apple“ in kürzester Zeit international Furore machte, hatte seinen Namen vom „Big Apple Night Club“ in Columbia, South Carolina. Der Club war ein Treffpunkt der lokalen afroamerikanischen Community. Dort wurde getanzt und dort wurde auch der Prototyp des „Big Apple“ kreiert, ein auf Swing-Rhythmen basierender, sehr dynamischer Gruppentanz.

Getanzt wurde „The Big Apple“ (in der Choreographie von Frankie Manning) auch im US-amerikanischen Film „Keep Punching“ aus dem Jahr 1939.

Ausschnitt aus dem Film (YouTube)

Die Erfolgsgeschichte des „Big Apple“ begann im Herbst 1936, als Student:innen der University of South Carolina auf den „Big Apple Night Club“ aufmerksam wurden. Sie waren von der Art und Weise, wie dort getanzt wurde, so begeistert, dass sie in der Folge immer wieder in den Club kamen, um die einzelnen Tanzfiguren zu erlernen. Im Sommer 1937 präsentierten sie den „Big Apple“ bei regionalen Tanzveranstaltungen – und wurden dabei von einem Talentscout entdeckt. Dann ging alles sehr schnell: acht Tanzpaare erhielten ein dreiwöchiges Engagement an das New Yorker „Roxy Theatre“. In dem rund 6.000 Sitzplätze umfassenden Haus waren sie ab 3. September 1937 in täglich mehreren ausverkauften Vorstellungen zu sehen. Auftritte in weiteren amerikanischen Großstädten folgten – und innerhalb kürzester Zeit wurde der „Big Apple“ zu einem populärkulturellen Massenphänomen.

Notentitelblatt zu „Ev’ry-body’s learnin’ how to do the big apple“, 1937 (New York Public Library, Public Domain)
Notentitelblatt zu „Ev’ry-body’s learnin’ how to do the big apple“, 1937 (New York Public Library, Public Domain)

Die Begeisterung für den „Big Apple“ erreichte bald auch Europa. Wie populär der Tanz war, beweist eine Meldung der „Innsbrucker Nachrichten“ vom 20. Januar 1938. Da wird berichtet, dass in Kitzbühel nicht nur ein „Wettkampf der Tiroler Schuhplattlergruppen“ stattgefunden habe, sondern auch eine „Big-Apple-Competition“.

Der Modetanz kam allerdings relativ bald wieder aus der Mode: In den USA wurde der „Big Apple“ um 1940 vom Jitterbug abgelöst, in Europa beendete der Zweite Weltkrieg die Lust am Tanzen.

23.9.2026

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