An einem Sommertag, irgendwann in den 1660er Jahren, saß Isaac Newton in einem Garten, beobachtete, wie ein Apfel von einem Baum fiel – und erkannte so, wie durch einen Geistesblitz, das Gesetz der Schwerkraft.
Es ist dies eine der bekanntesten Anekdoten aus der Wissenschaftsgeschichte. Ob aber das alles genau so war, ist nicht zu beweisen. Vielleicht fiel der Apfel, wie manchmal erzählt wird, dem berühmten Physiker direkt auf den Kopf, auch die Angaben, wann und wo genau sich die Sache zugetragen hatte, variieren.
Sicher ist, dass Newton selbst für die Verbreitung der Geschichte sorgte, vielleicht um zu zeigen, wie alltägliche Beobachtungen und Ereignisse, richtig interpretiert, zu grundlegenden Erkenntnissen führen können. Auf jeden Fall erzählte er sein Apfelerlebnis Jahre später – als er das Gravitationsgesetz längst in wissenschaftlichen Werken entsprechend dargelegt hatte – seinem Freund und Biografen William Stukeley. Dieser veröffentlichte die Geschichte dann 1752 in seinen „Memoirs Of Sir Isaac Newtonʼs Life“.
Der handgeschriebene Band befindet sich im Besitz der britischen Royal Society (deren Präsident Newton von 1703 bis 1727 gewesen war), die ihn digital zugänglich gemacht hat
Die Apfelgeschichte habe ihm Newton, so berichtet Stukeley, am 15. April 1726 erzählt:
after dinner, the weather being warm, we went into the garden, & drank thea under the shade of some appletrees, only he, & myself. amidst other discourse, he told me, he was just in the same situation, as when formerly, the notion of gravitation came into his mind. why should that apple always descend perpendicularly to the ground, thought he to him self; occasion’d by the fall of an apple, as he sat in a contemplative mood. why should it not go sideways, or upwards? but constantly to the earths centre? assuredly, the reason is, that the earth draws it. there must be a drawing power in the matter. & the sum of the drawing power in the matter of the earth must be in the earths center, not in any side of the earth. therefore dos this apple fall perpendicularly, or toward the center. if matter thus draws matter; it must be in proportion of its quantity. therefore the apple draws the earth, as well as the earth draws the apple.
& thus by degrees, he began to apply this property of gravitation to the motion of the earth, & of the heavenly bodys:
Nach dem Abendessen, es war warmes Wetter, gingen wir in den Garten und tranken Tee im Schatten einiger Apfelbäume, nur er und ich. Neben anderen Dingen erzählte er mir, er befinde sich in genau derselben Situation wie damals, als ihm die Vorstellung von der Schwerkraft in den Sinn kam. Warum sollte ein Apfel stets senkrecht zu Boden fallen, dachte er; veranlasst durch das Herabfallen eines Apfels, während er in nachdenklicher Stimmung dasaß. Warum fällt er nicht zur Seite oder nach oben? Sondern stets zum Erdmittelpunkt hin? Zweifellos deshalb, weil die Erde ihn anzieht. Es muss eine anziehende Kraft in der Materie geben. Und die Summe dieser Anziehungskraft in der Materie der Erde muss im Erdmittelpunkt sein, nicht an irgendeiner Seite der Erde. Deshalb fällt dieser Apfel senkrecht oder zum Mittelpunkt hin. Wenn Materie derart Materie anzieht, so muss dies im Verhältnis zu ihrer Masse sein. Deshalb zieht der Apfel die Erde ebenso an, wie die Erde den Apfel anzieht.
Und so begann er nach und nach diese Eigenschaft der Gravitation auf die Bewegung der Erde und der Himmelskörper anzuwenden.
Newtons Gravitationsgesetz stellte eine wissenschaftliche Revolution dar. Die Apfelgeschichte aber wurde auch Teil der Populärkultur – angereichert mit verschiedensten erzählerischen Details, als Motiv für Gemälde – und auch als Inspiration für Karikaturen. So etwa für den Grafiker Ludwig Bechstein (Sohn des gleichnamigen Märchendichters), der 1867 für die populäre Reihe „Münchener Bilderbogen“ ein Blatt mit dem Titel „Doktor Zirkel“ gestaltete.
23.9.2026







