VON HOFOPERN-SOIRÉEN UND MASKEN-REDOUTEN

Ernst Oppler, Karneval-Walzer (Ausschnitt).Ernst Oppler, Karneval-Walzer (Ausschnitt).

Ein Blick zurück – auf den ersten Wiener Opernball. Die Veranstaltung, die am 11. Dezember 1877 im damals noch recht neuen, 1869 eröffneten Opernhaus an der Ringstraße stattfand, hieß offiziell „Hofopern-Soirée“ – zum einen, weil man sich vom damals sehr berühmten Pariser Opernball absetzen wollte, und zum anderen, weil das Tanzen nur einen geringeren Teil des abendlichen Vergnügens ausmachen sollte. Den Beginn machte ein rund einstündiges Konzert des Hofopernorchesters, und erst danach stand Tanzmusik, gespielt von der „Kapelle Strauss“ unter der Leitung von Eduard Strauss, auf dem Programm.

Programm der Soiree

„So glänzend der Abend auch ausgefallen ist, so hört man doch im Publicum vielfach sich widersprechende Meinungen über die Frage, ob das Operntheater es überhaupt nöthig gehabt habe, die Neugierde und Schaulust des Wiener Publicums auch auf diesem (…) Wege auszubeuten“, schrieb die Tageszeitung „Die Presse“ in einem Rückblick auf die erste Hofopern-Soirée (Die Presse, 16.12.1877, S. 7). Die Veranstaltung sei, so wurde in dem Artikel erklärt, aus einer Notlage heraus entstanden: „Das Comité des Pensionsfonds, hart bedrängt durch die riesigen Anforderungen, welche die wachsende Pensionslast an dasselbe stellte, und nicht befriedigt durch die geringen Resultate, welche sogenannte außerordentliche Einnahmen für das Budget lieferten, stellte an die Direction die Bitte, sie möge die Erlaubnis zur Abhaltung einer Darstellung auf der Bühne bei geschlossenem Vorhang bewilligen.“ Dabei war zunächst nur an eine Theateraufführung bei veränderter Saalstruktur gedacht, doch im Laufe der Diskussionen mit dem damaligen Hofopern-Direktor Franz Jauner „gelangte man vom Kleinen ins Große und nach langwierigen Berathungen von der Miniatur-Vorstellung auf der Bühne zum – Opernballe. Mit welchen Schwierigkeiten die Ausführung der Idee zu kämpfen hatte, wurde schon wiederholt geschildert und daß das Riesenwerk in wenigen Wochen in glanzvoller Weise zu Stande gebracht wurde, ist gewiß ein Verdienst, das alle Anerkennung verdient.
Selbst das religiöse Element der Hauptstadt versuchte in letzter Stunde mit einem, wenn auch schwachen Veto dem Feste einen Theil des Programms zu rauben, aber auch dieses letzte Hinderniß wurde auf gütlichem Wege beigelegt. So penible war man übrigens in der Vermeidung der Bezeichnung des Abends als ‚Ballfest‘, daß die Officiere der Garnison noch in den letzten Tagen vor dem Feste den Befehl erhielten, auf der Soirée mit der Kappe zu erscheinen, während sonst für Bälle stets das Tragen des Czakos vorgeschrieben war.“
Bei weiteren Bällen in der Oper wäre zu überlegen, so meinte „Die Presse“, das Konzert des Hofopernorchesters „auf ein Minimum zu beschränken oder gänzlich fallen zu lassen“, weil dafür ja ohnehin „eine größere Aufmerksamkeit seitens eines in voller Bewegung befindlichen Publicums kaum zu erzielen sein wird.“ Zwar gab es auch bei den beiden weiteren Hofopern-Soiréen jener Ballsaison, die am 15. Januar und am 23. Februar 1878 stattfanden, ein philharmonisches Konzert, das jedoch nur noch eine knappe halbe Stunde dauerte und dann vom Musikprogramm der Strauss-Kapelle abgelöst wurde.

Karikatur in der Satirezeitschrift „Wiener Caricaturen“, 28.1.1883: „Ich sage Dir, lieber Freund, ich gehe nur in die Oper, wenn Redoute ist, – da ist man wenigstens einmal im Jahr sicher, eine anständige Musik zu hören.“

Karikatur in der Satirezeitschrift „Wiener Caricaturen“, 28.1.1883: „Ich sage Dir, lieber Freund, ich gehe nur in die Oper, wenn Redoute ist, – da ist man wenigstens einmal im Jahr sicher, eine anständige Musik zu hören.“

Den drei Hofopern-Soiréen der Ballsaison 1877/78 folgte am 2. März dann noch eine Hofopern-Redoute – ein Maskenball, der zur Tradition wurde. Dabei gab es einen speziellen „Dresscode“: Denn im Tanzsaal mussten Frauen Masken tragen, nicht jedoch in den Logen. Diese Vorschrift wurde immer wieder thematisiert: Entweder allgemeiner Maskenzwang oder generelle Maskenfreiheit lautete das Motto, und der Wiener Feuilletonist Eduard Pötzl meinte dazu: „Wer einen Maskenball besucht, will, daß Alle Handelnde sind, daß es nicht Spielende und Zuschauer gebe. Niemand will dem Andern eine Comödie vorspielen, wie man derb in Wien sagt: ‚den Wurstel vormachen‘.“ (Wienerstadt. Lebensbilder aus der Gegenwart, Wien 1895, S. 201).
Zwei Jahrzehnte lang gab es während des Faschings stets zwei und manchmal auch drei Mal Opern-Redouten. Die allerletzte fand am 1. Februar 1899 statt, dann führten vor allem sicherheitstechnische Bedenken – es gab zu wenige Fluchtwege für die immer größer werdende Veranstaltung – dazu, dass bis 1921 keine weiteren Opernbälle mehr veranstaltet wurden.