Eine ganz besondere Beziehung zu Äpfeln hatte der Schriftsteller Friedrich Schiller. Stets soll er etliche Exemplare, die schon zu faulen begannen, in der Schublade seines Schreibtisches aufbewahrt haben. Der Geruch des modrigen Obstes schien eine inspirierende Wirkung auf ihn zu haben. Seinem Dichterfreund Goethe hingegen wurde einmal ziemlich übel davon:
„Ich besuchte ihn eines Tages, und da ich ihn nicht zu Hause fand und seine Frau mir sagte, daß er bald zurückkommen würde, so setzte ich mich an seinen Arbeitstisch um mir dieses und jenes zu notieren. Ich hatte aber nicht lange gesessen, als ich von einem heimlichen Übelbefinden mich überschlichen fühlte, welches sich nach und nach steigerte, so daß ich endlich einer Ohnmacht nahe war. Ich wußte anfänglich nicht, welcher Ursache ich diesen elenden und ganz ungewöhnlichen Zustand zuschreiben sollte, bis ich endlich bemerkte, daß aus einer Schieblade neben mir ein sehr fataler Geruch strömte. Als ich sie öffnete, fand ich zu meinem Erstaunen, daß sie voll fauler Äpfel war. Ich trat sogleich an ein Fenster und schöpfte frische Luft, worauf ich mich denn augenblicklich wiederhergestellt fühlte. Indes war seine Frau wieder hereingetreten, die mir sagte, daß die Schieblade immer mit faulen Äpfeln gefüllt sein müsse, indem dieser Geruch Schillern wohl tue und er ohne ihn nicht leben und arbeiten könne.“ (Goethes Gespräche mit Eckermann, Leipzig 1921, S. 359)
Die Vorliebe Schillers für den Apfelgeruch könnte mit Erinnerungen an seinen Vater zusammenhängen. Denn dieser, Johann Caspar Schiller, war nicht nur Offizier und Wundarzt, sondern auch ein Gärtner mit besonderem Interesse für den Obstanbau und vor allem auch für Äpfel.
Ab 1775 hatte Johann Caspar Schiller als „Gartenintendant“ die Leitung der Grünanlagen von Schloss Solitude bei Stuttgart über. Er machte die dortige Baumschule zu einer der größten in Süddeutschland und setzte sich engagiert für den Obstanbau im Herzogtum Württemberg ein. Das von Johann Caspar Schiller verfasste, 1795 publizierte Buch „Die Baumzucht im Großen aus Zwanzigjährigen Erfahrungen im Kleinen in Rücksicht auf ihre Behandlung, Kosten, Nutzen und Ertrag beurtheilt“ galt über lange Zeit als ein Standardwerk zum Thema. Darin setzte er sich unter anderem für heutzutage wieder aktuelle Themen wie das Anlegen von Streuobstwiesen und das Bepflanzen der Ränder von Landstraßen mit Apfelbäumen ein. Und Johann Caspar Schiller nennt in seinem Buch auch eine Vielzahl von verschiedenen Apfelsorten, so etwa den Pepping, eine alte, vor allem in England verbreitete Sorte. Und dort, wo er Pippin genannt wird, hat dieser Apfel, so Schiller, auch „den besten Geschmack“, denn „jedes Land, jede Gegend hat sein eigen, sein Lieblings-Obst“.
23.9.2026







