„DIE SPRACHE DES LICHTS“

Der englische Gelehrte John Dee (1527–1608 oder 1609), eine der Figuren aus dem Roman „Die Sprache des Lichts“Der englische Gelehrte John Dee (1527–1608 oder 1609), eine der Figuren aus dem Roman „Die Sprache des Lichts“

Aus diesem Roman ließe sich ein actionreicher Film machen. Denn die Geschichte, die sich Katharina Kramer ausgedacht hat, ist überaus spannend: Da sind Spitzel und Spione unterwegs, es gilt Geheimnisse zu enträtseln und Codes zu knacken, und da das Ganze zu Ende des 16. Jahrhunderts spielt, gehören die Religionskriege zwischen Katholiken und Protestanten ebenso wie die Inquisition und auch vermeintliche Teufelsbündler, Goldmacher und Alchimisten ins historische Setting.

Die eine der beiden Hauptpersonen des fast 500 Seiten umfassenden Romans ist Jacob Greve, der nicht nur über ein außergewöhnliches Sprachentalent und ein sehr feines Gehör verfügt, sondern der auch Synästhetiker ist und dadurch gesprochene Wörter und Geräusche auch als Farben und Formen wahrnimmt. Diese besonderen Fähigkeiten machen ihn jedoch zum Außenseiter, weshalb er seine Heimat, das protestantische Sachsen, verlässt, um sich auf die Suche nach der Ursprache, der Sprache der Schöpfung zu machen. Auf Irr- und Umwegen gelangt er ins südliche Frankreich, wo er auf die andere Protagonistin des Werkes trifft: Es ist die aus Bordeaux stammende Übersetzerin Margarète Labé, die als Spionin für die Katholische Liga tätig ist. Sie wird auf Jacob angesetzt, der sich aufgrund seiner Naivität und Weltfremdheit verdächtig macht und für einen Agenten gehalten wird.

BuchcoverMargarète und Jacob sind erfundene Figuren, als weitere Akteure aber hat Katharina Kramer etliche historische Persönlichkeiten in die Handlung hereingenommen. Eine ganz wesentliche Rolle etwa spielt der englische Gelehrte John Dee, der nicht nur ein bedeutender Mathematiker und Geograf war, sondern auch der Hofastrologe von Königin Elizabeth I. Auch Kaiser Rudolf II. hat – in der Prager Burg – seinen Auftritt und nimmt entscheidenden Einfluss auf das Schicksal von Jacob Greve. Der italienische Astronom Giordano Bruno, der Antwerpener Verleger Christoffel Plantijn, der englische Geheimdienstmann Thomas Phelippes und der Hofarzt von Rudolf II., Thaddaeus Hagecius, gehören ebenfalls zu jenen realen Personen, die die Wege des fiktiven Paares kreuzen.

Ein großer Pluspunkt ist Katharina Kramer dafür zu geben, dass sie genaue Informationen zum historischen Hintergrund ihrer Geschichte liefert. Das umfasst ein Personenverzeichnis mit den wesentlichen biografischen Angaben ebenso wie einen (am Ende des Romans platzierten) eigenen Abschnitt mit vertiefenden Details zu den in den einzelnen Kapiteln vorkommenden Persönlichkeiten oder erwähnten Orten und geschichtlichen Ereignissen. Dazu kommt dann auch noch eine Liste mit weiterführender Literatur, die wohl von vielen Leser:innen gerne angenommen wird – denn der Roman (es ist übrigens das literarische Debüt der bisher als Übersetzerin und Journalistin tätigen Autorin) inspiriert sicher zu so manchen eigenen Recherchen.

Fazit: Ein gelungener historischer Unterhaltungsroman, dem eine große Leserschaft zu wünschen ist. Und der, wie gesagt, durchaus auch zur Verfilmung geeignet ist.

Katharina Kramer: Die Sprache des Lichts. Verlag Droemer Knaur, München 2021.