
Denkt man an den am 3. November 2026 im Alter von 95 Jahren verstorbenen „Janosch“, hat man ganz sicher diese Tierfiguren vor sich, die so viel Menschliches an sich haben. Mit leise zittrigem Strich hingezeichnet und mit zarten Aquarellfarben bemalt. Es sind melancholisch-heitere, anthropomorphe Tiere mit markanten Charakterzügen. Janosch gelang es einige Generationen hindurch, mit seinen Bilderbüchern „bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen ein Gefühl von Geborgenheit und Glück zu erwecken“, stellt ein „anonymer Bewunderer“ in der Einleitung zum Buch „Janosch – Leben & Werk“ fest. Nur wirklich große Zeichner sind imstande, Figuren zu erschaffen, die sofort erkennbar sind, die auch sofort mit ihrem Schöpfer in Verbindung gebracht werden. Waren das in Janoschs Anfängen Valek, das Pferd, oder der kleine Tiger und der kleine Bär in „Oh, wie schön ist Panama“, so hatte er noch als 80-jähriger den Herrn Wondrak allwöchentlich in der Wochenzeitung „Die Zeit“ vor sich hin räsonieren lassen.

Zum Buch „Janosch – Leben & Werk“: Die Einleitung unter dem Titel „Glitter, Flimmer und ein verworrener Strich oder Wer ist Janosch“ schrieb der schon erwähnte „anonyme Bewunderer“. Darin erfährt man ein wenig über Janoschs Biografie, dass er eigentlich Horst Eckert hieß und 1931 in Hindenburg in Oberschlesien (im heutigen Polen) geboren wurde. Der Künstlername Janosch, zu dem ihm der befreundete Verleger Georg Lentz riet, tauchte in den 1960er Jahren auf, der große Publikumserfolg stellte sich in den 1970ern ein.

Wie sich im Lauf der Jahre der Stil verändert und gefestigt hatte, wie Figuren, die – auch wenn sie nur im Hintergrund wirkten, wie zum Beispiel die Tigerente – genauso wichtig für die Handlung wurden wie die Hauptdarsteller, ist Thema der Einleitung, genauso wie der kommerzielle Erfolg. Das ist alles angenehm freundlich und knapp gehalten, dass man es auf jeden Fall liest, bevor man sich auf den Bildteil stürzt. Aber davor kam Janosch noch einmal selbst zu Wort. Er, der Autor von mehreren hundert Kinderbüchern, Romanen und Theaterstücken, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden, gab sich da recht zurückhaltend und sagte über sein Werk: „Man sollte einen Maler nicht über die Malerei befragen, schon gar nicht über seine eigene, er weiß nichts darüber.“

Ja, und dann eben der Bildteil: 220 Seiten mit Bildern von Janosch. Zu Beginn Bleistiftzeichnungen, dann mischt sich immer mehr und mehr Farbe dazu und die Bilder werden immer surrealer. Wenn man sie lange genug betrachtet, ist man versucht, sie mit einer Geschichte erklären zu wollen. Aber ob diese dann etwas mit Janoschs Erzählung zu tun hat? Tiere bevölkern schon bald die Blätter und schnauzbärtige Männer, die Szenen werden erotisch und erotisch-idyllisch, dann nur mehr idyllisch, hin und wieder frech und widerborstig, plakativ-bunt, bevor am Ende Herr Wondrak und die Tigerente zusammenkommen.

Janosch – Leben & Werk. Merlin Verlag, Gifkendorf 2021.







