PORTOGRUARO UND DER SCHIEFE TURM

Alle Fotos: B. Denscher

Nicht nur Pisa hat einen schiefen Turm, sondern auch im kleinen Städtchen Portogruaro im italienischen Veneto gibt einen Campanile mit spektakulärer Schräglage. An der Turmspitze, in 59 Metern Höhe, beträgt die Abweichung nicht weniger als 172 cm – und alljährlich nimmt die Neigung des Bauwerks weiter zu. Aber – so beteuern die Verantwortlichen – man müsse sich keine Sorgen machen, der Turm werde nicht kippen, er sei nicht einsturzgefährdet, denn man habe die Lage dank einer Kooperation mit den Technikern der Universität Trento im Griff.

Doch nicht nur diese architektonische Kuriosität ist ein Grund dafür, bei einer Reise in Oberitalien einen Zwischenstopp in Portogruaro einzulegen – denn die Stadt hat einiges zu bieten.

Neben dem zum alten Campanile gehörigen neoklassizistischen Dom gibt es ein spektakuläres Rathaus aus der Mitte des 13. Jahrhunderts und vor allem eine vom Stil der venezianischen Gotik geprägte Altstadt. Besonders malerisch sind die am Fluss Lemene gelegenen alten Mühlen.

Die Lage am Fluss verschaffte dem Ort auch seinen Namen, denn Portogruaro war tatsächlich ein bedeutender, vom Meer aus befahrbarer Flusshafen, der besonders in der Zeit, als die Stadt zur Republik Venedig gehörte, eine beachtliche wirtschaftliche Bedeutung hatte.

Ein erwähnenswertes Detail aus der Kulturgeschichte Portogruaros ist es, dass der Dichter Lorenzo Da Ponte, bevor er die Libretti zu einigen der wichtigsten Mozart-Opern und zahlreiche andere Werke verfasste, das Priesterseminar von Protogruaro besuchte, dort Lehrer für Rhetorik und stellvertretender Direktor war – um dann aber seine Laufbahn in Venedig und später in Wien fortzusetzen.

Portogruaro ist heutzutage ein sehr lebendiges, sympathisches Städtchen, in dem es sich gut flanieren und verweilen lässt. Die Ruhe ändert sich allerdings einmal in der Woche, jeweils donnerstags, wenn Markttag ist und die Altstadt in den Sommermonaten von Besucherinnen und Besuchern aus den naheliegenden Badeorten Bibione und Lignano geflutet wird. Aber auch dieses geschäftige Treiben kann seinen eigenen Reiz entwickeln …