WIEN – EINE STADT VERÄNDERT SICH

Wien um 1882: Franzensring (heute Dr. Karl-Renner-Ring und Universitätsring) mit Parlament, Burgtheater, Rathaus und Universitätsgebäude während ihrer Errichtung
Wien um 1882: Franzensring (heute Dr. Karl-Renner-Ring und Universitätsring) mit Parlament, Burgtheater, Rathaus und Universitätsgebäude während ihrer Errichtung.

Der Untertitel des Buches „Wien – Eine Stadt verändert sich“ lautet „Die Donaumetropole und ihre Baustellen“ und gibt damit schon die Richtung der Veränderung vor. Gleich in ihrer Einleitung verweisen die beiden Autoren, Matthias Marschik und Edgar Schütz, Kulturwissenschaftler der eine und Journalist der andere, darauf, dass wir es bei der Baustelle mit einem Bild des Wandels zu tun haben: „Denn meist verschwinden die mit dem Bauprozess verbundene Lärmbelästigung, die behelfsmäßigen Gerüste und die Gefahr herunterfallender Teile irgendwann einmal. Das angestrebte Bauwerk steht dann in seiner ganzen Pracht da.“ Und setzen noch mit einem Zitat des Schweizer Journalisten Roman Bucheli eins drauf: „Das ist die elementar beruhigende Botschaft, die von jeder Baustelle ausgeht: Sie ist ein formidables geschichtsphilosophisches Modell, wonach alles, was der Mensch anrührt, fast unausweichlich der glücklichen Vollendung entgegenstrebt.“

Die Votivkirche um 1865: Keine Entscheidung hat das Stadtbild Wiens so verändert wie der Beschluss von Dezember 1857, die Stadtmauern abzureißen und einen – militärisch nutzbaren – Prachtboulevard, die Ringstraße, anzulegen. Jahrzehntelang war die Ringstraße eine Baustelle.
Die Votivkirche um 1865. Keine Entscheidung hat das Stadtbild Wiens so verändert wie der Beschluss von Dezember 1857, die Stadtmauern abzureißen und einen – militärisch nutzbaren – Prachtboulevard, die Ringstraße, anzulegen. Jahrzehntelang war die Ringstraße eine Baustelle.

Nachdem Marschik und Schütz genug über das Wesen der Baustelle philosophiert haben, geben sie einen kurzen Überblick über die Baugeschichte Wiens, von der ersten nachweisbaren Siedlung am Leopoldsberg über das römische Militärlager Vindobona, weiter zur stetigen ringförmigen Ausbreitung, von der „Gründerzeit“ über die Ringstraßenarchitektur, das „Rote Wien“, Nationalsozialismus und Weltkrieg bis hin zur „Moderne“. Da fällt beim „Roten Wien“ gleich einmal eine Sache auf, dass nämlich die zukünftigen Siedler der verschiedenen in den 1920er Jahren errichteten Wohnhausanlagen (so etwa am „Rosenhügel“, einer Anhöhe im Südwesten von Wien, oder im nördlich der Donau gelegenen Stadtteil Kagran) in unbezahlter Arbeit – gefordert waren um die 3.000 Arbeitsstunden – ihren Anteil an den Baukosten reduzieren konnten.

Einsatz von Straßenwalzen in der Hauptallee im Wiener Prater, 1930.
Einsatz von Straßenwalzen in der Hauptallee im Wiener Prater, 1930.

Letztlich betonen die Autoren den historischen Charakter des Buches und präsentieren eine „Bilderschau zu den Baustellen von der Gründerzeit bis in die 1970er Jahre“. Das „Wechselspiel des Bauens“ sollte eingefangen werden. Die vielen Bilder dieses Buches werden knapp kommentiert. Das sind zum einen Ansichten von der menschenleeren Ringstraße, den Baustellen an der Opernpassage bis hin zur Donauinsel, eindrucksvoll sind die Fotos, in denen Altes noch erhalten bleibt, das Neue rundherum Platz greift. Aber sehr viel öfter sind Menschen zu sehen: beginnend mit der „Pflasterer-Partie“ aus dem Jahr 1850, Straßenarbeitern, die 1935 mit dem „Wiener Würfel“, einem Granitstein mit einer Seitenlänge von 18,5 Zentimetern und einem Gewicht von rund 16 Kilogramm, arbeiten, die „Gastarbeiter“, die beginnend mit den 1960er Jahren zumeist an den Baustellen beschäftigt waren, die Politiker und Architekten und die Zuschauer. Das „Wechselspiel des Bauens“ ist also in diesem Buch eingefangen, die Baustellen als „Weg vom Plan zum Versprechen und von der Umsetzung bis zur Erfüllung“ sollen gezeigt werden.

Buchcover

Matthias Marschik, Edgar Schütz: Wien – Eine Stadt verändert sich. Die Donaumetropole und ihre Baustellen. Edition Winkler-Hermaden, Schleinbach 2025.

30.1.2026

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