Der Schlosspark von Dennenlohe ist eines der schönsten bayrischen Barockensembles, samt Amphitheater, Rhododendronpark und auch mit einem Landschaftsgarten. Seit 2011 wird dort jährlich der „European Garden Book Award“ verliehen, der das jeweils beste in Europa veröffentlichte Gartenbuch auszeichnet. Aktueller Sieger ist der Band „Der neue romantische Garten“, in dem Jo Thompson, eine der führenden britischen Landschaftsarchitektinnen und Gartendesignerinnen, Inspirationen aus England – so der Untertitel – präsentiert. (An zweiter Stelle rangiert übrigens das Buch „Englische Landschaftsgärten“, in dem Tim Richardson seinen „Traum von Arkadien“ zeigt, das hier schon vorgestellt wurde.)
Thompson leitet ihr Buch – und das wird sich im Laufe der Lektüre als für sie typisch herausstellen – einerseits mit praktischen Tipps ein, lässt aber immer auch zusätzliche Reflexionen einfließen. So gibt sie zu bedenken, dass Inspirationen, die man sich irgendwo in wärmeren Gefilden, sei es etwa in der Provence oder in Marokko, geholt hat, daraufhin überprüft werden sollten, ob sie in unseren kühleren Breiten auch entsprechend zur Geltung kommen. Ihren einleitenden Überlegungen gibt die Autorin Titel wie Echtheit, Tiefe, Rausch, Freundschaft, Stimmungslicht, Annäherung, Neugierde und Verbindlichkeit und endet mit der Feststellung, dass kein Garten so aussehen muss, als sei er immer schon da gewesen, aber doch so „als gehöre er heute genau an diesen Ort.“
Eine Bemerkung zur deutschsprachigen Fassung des Buches: die Übersetzerin und Projektleiterin Delphina Júnior hat es geschafft, romantisches „Garden-British“ in adäquates Deutsch herüberzuholen, sodass die Stimmung erhalten bleibt. Apropos Stimmung! Die wird natürlich auch durch die Fotografien vermittelt, die hauptsächlich von Jason Ingram und Rachel Warne stammen. Wobei dieses Buch bei aller Vorherrschaft der traumhaft schönen Fotos kein reines Bilderbuch ist. Jo Thompson beschreibt dreißig Gärten – verteilt über ganz England –, in denen sie gearbeitet hat. Sie lässt am Entstehungsprozess teilhaben, vermittelt ihre Überlegungen, warum sie was wie angelegt hat – so zum Beispiel, dass wir uns „einen ungezwungenen Garten ohne große Regeln wünschen, aber ohne elterliche Aufmerksamkeit gerät er aus dem Gleichgewicht.“ Daraus spricht ganz klar die Haltung, die sie den Gärten gegenüber hat, nämlich: wie Eltern zu den Kindern sollten wir sein. Und noch etwas: die Autorin glaubt an Feen, „all die guten Geister, die für Schönheit sorgen“. Daher sind, über das ganze Buch verteilt, vom Lauftext abgesetzt, kurze Überlegungen zu Feenpräsenz, Druiden, alten keltischen Festen und sonstigen britischen Besonderheiten aus alter Zeit zu lesen.
Dreißig Gärten also werden in dem Buch vorgestellt, drei sollen im Folgenden etwas näher beschrieben werden: einer in der Stadt, einer im Dorf, einer am Meeresufer. Der Stadtgarten in London ist für Rosenliebhaber gedacht. Er liegt in einer überraschend unspektakulären Umgebung, kann von überall her eingesehen werden und soll dennoch Geborgenheit geben.
Jo Thompsons Überlegungen zu einem historischen Dorfgarten in der kleinen südenglischen Ortschaft Burwash sind wieder eher grundsätzlich: „Ganz gleich, wie groß das Stück Erde ist, das zu unserem Zuhause gehört, wir sollten nie vergessen, dass es uns anvertraut wurde“. Dann erzählt sie, was in dem Dorf, in dem sich der Garten befindet, früher alles geschehen sei, dass der Schriftsteller Rudyard Kipling dort gelebt und dass der Schmuggel floriert hatte. Diesen Garten hat sie bewusst so angelegt, dass er auch von jemandem gepflegt werden kann, der keine Gartenerfahrung besitzt.
Gärten am Meer sollen als malerisch empfunden werden, die Bedingungen dort aber sind für die Pflanzen ziemlich hart. Das waren die Herausforderungen, die sich Jo Thompson bei einem Strandgarten in Sussex stellten. Dünen mit Sitzplätzen wurden im Garten angelegt, vom Haus aus sichtbar, vom Strand aus jedoch nicht.
Auch wenn man nicht über ein derart zauberhaftes oder atemberaubendes Grundstück verfügt, um dort einen Garten anzulegen – romantisch kann er mit den Anweisungen von Jo Thompson überall werden.
Jo Thompson: Der neue romantische Garten. Inspirationen aus England. Übersetzt von Delphina Júnior. Callwey Verlag, München 2026.
30.5.2026





